Design Review Based on Failure Mode (DRBFM)

Robustes Design begeistert den Kunden während des gesamten Produktlebenszyklusses.

Ausgangssituation

Design Review Based on Failure Mode (DRBFM) ist aus der Erkenntnis entstanden, dass Änderungen das höchste Fehlerpotenzial enthalten. Die Gründe für die Änderungen in Produkten, Prozessen oder Systemen, ob aus Kostengründen, Innovationsdruck oder Anforderungsgründen, sind dabei nebensächlich. Als Erfinder der Methode gilt Prof. Dr. Tatsuhiko Yoshimura.
Als Toyotaveteran war er hier 32 Jahre für die Zuverlässigkeit der Toyotafahrzeuge zuständig, bevor er 2003 zu General Motors ging. Heute hilft er dem weltweit größten Automobilhersteller die Qualitätsprobleme in den Griff zu bekommen.
Yoshimura, so heißt es, versuchte einmal Ingenieure zum kreativen Design Review mittels eines FMEA-Formblatts zu bringen.
Er musste jedoch feststellen, dass die notwenige Kreativität durch den formalen Aufbau der FMEA mehr blockiert als gefördert wird. Also entwickelte er eine kombinierte Methode, die sowohl den formalen Inhalt der FMEA sicherte, als auch Freiraum für kreatives Fehlermanagement bietet. Er nannte sein Konstrukt "Mizenboushi" oder GD³. In der Folge wurde daraus DRBFM.

Ziel

Die Philosophie hinter DRBFM ist präventive Fehlerverhütung durch "Good Design", "Good Discussion" und "Good Dissection".
DRBFM ist also eine entwicklungsbegleitende Kreativitätsmethode und zugleich eine Philosophie zur diskursorientierten Designfindung und Evaluierung. Sie sorgt dafür, dass Produkte nach einer Änderung ihre hohe Qualität beibehalten.

"Good Design" bedeutet robustes Design, welches durch Beachtung der folgenden Regeln erreicht wird:

  • setze möglichst viele bewährte und robuste Komponenten ein und
  • suche aktiv versteckte "Knospen" von Problemen.

Mit "Good Discussion" ist im Wesentlichen DRBFM, der ursprüngliche Kern der Engineering-Methode gemeint.

Hinter "Good Dissection" steht die Methode DRBTR (Design Review Based on Test Results), also das Test- und Evaluierungsverfahren bei Änderungen. Yoshimura entwickelte DRBTR als Zugeständnis an westliche Denkweisen.

Das Akronym DRBFM zeigt die wesentlichen Elemente im Vorgehen auf:

  • DR = Design Review
    Eine dokumentierte, umfassende und systematische Untersuchung eines Designs um dieses zu verstehen. Ziel ist es, dessen Fähigkeit zu beurteilen, die Qualitätsanforderungen zu erfüllen, potenzielle Probleme zu identifizieren und die Entwicklung für Lösungen hierfür niederzulegen.
  • BFM = Based on Failure Mode
    Bedeutet einerseits, dass zum Zeitpunkt eines DRBFM Meetings eine FMEA erstellt wurde. Andererseits bedeutet "Based on Failure Mode" auch, dass der Ursprung der DRBFM in der FMEA zu finden ist.

DRBFM folgt einer guten FMEA, d.h. die meisten Schwachstellen sind bereits mit der FMEA entdeckt. Für das weitere Vorgehen sind andere Betrachtungswinkel notwendig, um eventuell vorhandene Restrisiken zu vermeiden und somit ein "Robustes Design" zu schaffen. Daher ist die erstellte FMEA nicht ins Design Review einzubeziehen, um die Experten nicht mit bekannten Informationen in ihrer Kreativität zu blockieren.

Auslöser

Es lassen sich acht typische Auslöser für DRBFM finden:

  • Die mechanischen Komponenten eines Produktes werden geändert
  • Die elektrischen Komponenten eines Produktes wurden geändert
  • Die Software eines Produktes wurde geändert
  • Die Einsatzbedingungen eines Produktes ändern sich
  • Die verwandten Materialien eines Produktes werden geändert
  • Der Herstellungsprozess wird geändert, verlagert oder neu aufgesetzt
  • Das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten wird verändert, z.B. durch Ergänzen einer Produktvariante
  • Die Zukaufteile werden geändert, neubezogen oder abgekündigt


Vorgehen

Die praxisnahe Umsetzung kann in drei Schritten erfolgen.

Im ersten Schritt wird eine FMEA im Team über die relevanten Teile oder Änderungen auf dem DRBFM-Formblatt durchgeführt.

Der zweite Schritt ist die Einfluss-Analyse. Sie beschäftigt sich mit der Identifizierung von Einflüssen der Änderungen auf andere Systemelemente und auch auf die Einflüsse von externen Faktoren auf die Änderungen.

Der dritte Schritt ist das Design Review. Hier werden in der Diskussion Lösungsansätze für die gefundenen Auswirkungen erarbeitet. Dabei ist es wichtig, Rollen für die Teammitglieder zu vergeben. Der Produktdesigner stellt seine Gedanken bezüglich der Änderungen oder Ergänzungen vor. Ein Moderator wahrt die Neutralität, sorgt für eine umfassende Betrachtung aller relevanten Einflüsse auf die Änderung und fördert die Diskussion. Ein Mitarbeiter muss sich darum kümmern, dass alle Ideen festgehalten werden. Bei den, durch das Team, verabschiedeten Verbesserungen muss sich dieser Mitarbeiter auch um die Maßnahmenverfolgung kümmern. Optimalerweise besteht das Team aus bis zu fünf weiteren Mitarbeitern aus verschiedenen Unternehmensbereichen.

Für die Umsetzung hat sich ein Arbeitsblatt bewährt. Kenntnisse aus der FMEA sollten zum Tragen kommen, wenn die unabhängigen Experten die gleichen Fehler aufdecken, welche sich bereits in der FMEA zeigten.

In unserem Download-Bereich finden Sie ein Beispiel für ein DRBFM-Formblatt