Regelkarten

Grafische Darstellung von statistischen Stichprobenkennwerten.

Grundlagen

Grundsätzlich haben Prozesse eine natürliche Variation, einige Prozesse zeigen darüber hinaus eine  unnatürliche Variation. Basierend auf statistischen Prinzipien ermöglichen Regelkarten die Identifizierung von natürlichen (nicht zufälligen) Mustern und geben dadurch Gelegenheit zur Prozessverbesserung.

Regelkarten weisen obere und untere Eingriffsgrenzen auf, welche die natürliche Schwankungsbreite des Prozesses darstellen. Grenzwerte werden durch horizontale, durch Farbe beziehungsweise Linienstärke hervorgehobene Linien dargestellt. Man unterscheidet zwischen Warn- und Eingriffsgrenzen, die jeweils oberhalb beziehungsweise unterhalb des als optimal definierten Mittelwerts des zu steuernden Prozesses liegen. Eingriffsgrenzen sind +/- 3 Sigma-Grenzen der jeweils gemessen Input- oder Output-Variablen.

In der unternehmerischen Praxis werden Regelkarten zur ständigen Regelung oder auch zur Verbesserung von Prozessen eingesetzt. Zudem helfen sie einen Prozess gleichmäßig und überschaubar bezüglich Qualität und Kosten zu machen beziehungsweise die Qualität zu erhöhen, die Stückkosten zu senken und die vorhandenen Kapazitäten effektiver zu nutzen. Regelkarten dienen auch dazu, im Unternehmen eine gemeinsame Sprache für die Diskussion über die Prozessfähigkeit zu schaffen.

Regelkartenmodelle

Regelkarten werden prinzipiell nach der Art der zu untersuchenden Merkmale in

  • Regelkarten für variable Merkmale (messbar) und
  • Regelkarten für attributive Merkmale (zählbar) unterschieden.

Mittels der Regelkarten für variable Merkmale kann einerseits eine „Sollwert-orientierte Prozessregelung“ sowie andererseits eine „Toleranz-orientierte Prozessregelung“ erfolgen.
Bei einer Sollwert-orientierten Prozessregelung kommen beispielsweise die Urwertkarte, Shewhart-Regelkarte oder auch PreControl-Regelkarte zum Einsatz.
Auf Annahmeregelkarten wird in der Regel bei einer Toleranz-orientierten Prozessregelung zurückgegriffen.

Urwertkarte:
Die Urwertkarte ist einfach zu führen und bietet durch die Aufzeichnung aller Stichprobenwerte eine gute Dokumentation der Prozesse. Als Vorteile der Urwertkarte zählen das gute Erkennen von systematischen Einflüssen sowie der direkte Eintrag der Messwerte ohne Rechnung. Nachteilig erweist sich die Tatsache, dass die Urwertkarte extrem unempfindlich ist und es dadurch leicht zu Verwechslungen zwischen Eingriffs- und Warngrenzen kommen kann.

Shewhart-Regelkarte:
Ziel der Shewhart-Regelkarte ist es, Abweichungen von einem als gut befundenen Zustand aufzuzeigen. In der Shewhart-Regelkarte werden jeweils zwei Wertverläufe eingezeichnet und zwar einmal für den Mittelwert x und das andere Mal entweder für die Standardabweichung s oder die Stichprobenspannweite R. Vorteile der Shewhart-Regelkarte stellen unter anderem die geringe Empfindlichkeit auf Ausreißer sowie die Verfolgung der Lage des Prozesses und der momentanen Streuung mittels getrennten Karten dar.

PreControl-Regelkarte:
Die PreControl-Regelkarte wird eingesetzt um Prozesse oder Einflussparameter zu überwachen. Das Interesse liegt primär darin, Prozesse zu beobachten und weitere Einsichten zur Verbesserung zu gewinnen. Der Prozess wird in ausreichendem Abstand von den Toleranzgrenzen geführt, jedoch möglichst nicht genau in der Toleranzmitte. Die Karte ist geeignet für Prozesse mit genügender Prozessfähigkeit. Die einfache Handhabung und die Tatsache, dass keine Statistikkenntnisse notwendig sind, zählen beispielsweise zu den Vorteilen der PreControl-Regelkarte.