Umweltmanagementsystem

Ein Umweltmanagementsystem regelt alle umweltrelevanten Verfahren, Prozesse und Abläufe im Unternehmen.

Grundlagen

Ein Umweltmanagementsystem steht für ein, dem Umweltschutz dienendes, Managementsystem, um Umweltschutz systematisch effizienter und effektiver betreiben zu können.
Mit Hilfe eines Umweltmanagementsystems werden Maßnahmen zur Umsetzung des Umweltmanagements strukturiert. Die Zielsetzung eines Umweltmanagementsystems besteht darin, alle organisatorischen und technischen Aktivitäten eines Unternehmens auf die Einhaltung der gesetzlichen Verpflichtungen auszurichten. Darüber hinaus soll mittels eines Umweltmanagementsystems eine Reduzierung der Umweltauswirkungen der Prozesse erzielt werden.

Unter dem Stichwort ISO 14000 ff. verbirgt sich eine Reihe von unterschiedlichen Normen zum Umweltmanagement. Die wichtigste Norm dieser Reihe ist die DIN EN ISO 14001:2005 Umweltmanagementsysteme – Spezifikation mit Anleitung zur Anwendung. Bei der DIN EN ISO 14001:2005 handelt es sich als einzige um eine Spezifikation, das heißt eine zertifizierungsfähige Norm. Die ISO 14001 dient dem Ziel, ein weltweit gültiges Verfahren zur kontinuierlichen Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes anzuleiten.

Aufbau eines Umweltmanagementsystems

Der Aufbau eines Umweltmanagementsystems untergliedert sich in der unternehmerischen Praxis in mehrere Schritte.

Vorbereitung
Im Zuge der Vorbereitung bietet es sich an, potenzielle Fördermöglichkeiten für das Unternehmen zu prüfen. Im Anschluss an eine Betriebsbegehung erfolgt die Definition des Projektleiters und des Projektteams sowie die Erstellung und Verabschiedung des Projektplans.

Bestandsaufnahme
Im Verlauf der Bestandsaufnahme werden Interviews mit den Beteiligten und Verantwortlichen des Unternehmens geführt. Zudem werden alle vorhandenen umweltrelevanten Informationen und Dokumente gesichtet und analysiert sowie die existierenden Umweltschutzmaßnahmen und -vorrichtungen  erfasst. Nach dem Entwickeln eines Umweltrechtskatasters  werden die unternehmerischen Pflichten aus den Rechtsvorschriften und behördlichen Genehmigungen abgeleitet. Abschließend wird ein Verfahren zur Überwachung der Änderungen der Rechtsvorschriften festgelegt.

Bewertung
Am Anfang der Bewertung wird das Datenmaterial zur Festlegung beziehungsweise Detailplanung weiterer Maßnahmen analysiert. Anschließend daran werden die Umweltaspekte und Umweltauswirkungen bewertet sowie einer Risikobetrachtung gemäß normaler, anormaler und notfallbedingter Rahmenbedingungen unterzogen. Darauf wird eine Bewertung der vorhandenen Umweltschutzmaßnahmen und -vorrichtungen  hinsichtlich der festgestellten Umweltaspekte und Umweltauswirkungen durchgeführt. Dabei identifizierte Schwachstellen und Verbesserungspotenziale werden an die Geschäftsleitung sowie die betroffenen Abteilungen reportet. Zudem erfolgt eine Festlegung konkreter Maßnahmen mit Prioritätensetzung.

Entwicklung des Umweltmanagementsystems
Im Anschluss an die Formulierung der Umweltpolitik werden Umweltziele und Verbesserungsmaßnahmen aus der Bestandsaufnahme abgeleitet. Zudem wird eine Maßnahmenliste mit Angaben zu Verantwortung, Mitteln und Terminen zur Verankerung der Verbesserungsmaßnahmen im Umweltprogramm erstellt. Sowohl Umweltpolitik und Umweltziele, als auch Umweltprogramm müssen durch die Geschäftsleitung freigegebenen werden. Für Tätigkeiten, Produkte und Dienstleistungen, welche bedeutende Auswirkungen auf die Umwelt haben, müssen anschließend Kennzahlen festgelegt, ermittelt und überwacht werden.

Definition der betrieblichen Umweltschutzorganisation
Nach der Festlegung der Organisationsstruktur werden Stellen- beziehungsweise Funktionsbeschreibungen für die Schlüsselpositionen im Umweltmanagementsystem erstellt. Außerdem bedarf es der Ausweisung der Schlüsselpositionen des Umweltmanagementsystems im Organigramm. Möglichkeiten sowohl zur effektiven und regelmäßigen unternehmensinternen Kommunikation, als auch zur Kommunikation mit externen Interessensgruppen werden anschließend geschaffen.

Erstellen der Managementdokumentation
Bei der Erstellung der Managementdokumentation müssen Schnittstellen zum Qualitätsmanagement und zur Arbeitssicherheit definiert werden. Zudem bedarf es der Erstellung von Verfahrensanweisungen, Prozessbezeichnungen und gegebenenfalls Arbeitsanweisungen sowie von Formblättern zum Nachweis. Zwingend erforderlich ist dabei auch der Aufbau gesetzlich vorgeschriebener Dokumentationen wie Anlagenkataster nach VAwS, Betriebsanweisungen oder auch Gefahrstoffkataster nach Gefahrstoffverordnung.

Installation von Kontroll- und Korrekturmaßnahmen
Es bedarf ferner der regelmäßigen Überwachung und Messung maßgeblicher Merkmale der umweltrelevanten betrieblichen Arbeitsabläufe und Tätigkeiten. Bei Abweichungen von der Umweltpolitik, den Umweltzielen und den umweltrechtlichen Forderungen müssen Korrektur- und Vorsorgemaßnahmen ergriffen werden. Zudem gilt es Aufzeichnungen über erreichte Leistungen, Verfahrenslenkung und zum Nachweis der Übereinstimmung mit den Umweltzielen zu führen.

Umweltbetriebsprüfung/ Internes Audit
Im Zuge eines internen Audits werden anschließend Fehler und Nichtkonformitäten mit den Sollvorgaben festgestellt und dokumentiert. Darüber hinaus wird die Wirksamkeit und Verlässlichkeit der Regelungen überprüft. Auf Basis des Auditberichts werden gegebenenfalls erforderliche Korrekturmaßnahmen durchgeführt und belegt.

Einrichtung von Verbesserungsmaßnahmen
Es bietet sich an, im Hinblick auf einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) ein betriebliches Umweltinformationssystem (BUIS) zu etablieren. Außerdem sollte ein regelmäßig tagender Umweltzirkel eingerichtet beziehungsweise das Umweltthema in einen bestehenden Arbeitsschutzausschuss einbezogen werden.